Meinung

In Kiew werden Köpfe rollen: Ukraine hat Selenskijs Luftkrieg verloren

Der ukrainische Machthaber hatte Anfang des Sommers eine 40 Tage dauernde "Luftoffensive" angekündigt, die Moskau zum Frieden zu ukrainischen Bedingungen zwingen werde. Die 40 Tage sind abgelaufen, und erstaunt müssen auch westliche Analysten und Medien feststellen, dass die Realität eine andere ist.
In Kiew werden Köpfe rollen: Ukraine hat Selenskijs Luftkrieg verlorenQuelle: RT © RIA Nowosti

Von Kirill Strelnikow

Wenn Historiker eines Tages den Verlauf und den siegreichen Ausgang der russischen Sondermilitäroperation untersuchen werden, kann man mit hundertprozentiger Sicherheit behaupten, dass ihre wichtigste Erkenntnis darin bestehen wird, dass unsere Gegner hartnäckig – fast schon bis zur Grenze des Wahnsinns – immer wieder in dieselbe Falle tappten, begleitet von autosuggestiven Parolen wie "Russland hat nur noch für einen Tag Leinenstiefel".

Versuchen wir doch einmal, diese Formel auf die russischen Raketen anzuwenden, die die "Zapfsäule, die vorgibt ein Land zu sein", wie man weiß, nur aus Versehen herstellen kann.

Bereits im Oktober 2022 hatte der damalige Leiter des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Kirill Budanow (in Russland offiziell als Terrorist und Extremist eingestuft) – aus berufenem Munde – erklärt, dass die Raketenvorräte der Russen "so gut wie aufgebraucht" seien. Seinen Angaben zufolge verfügten die russischen Streitkräfte noch über etwa 13 Prozent der Iskander-Raketen, 43 Prozent der Kalibr-Raketen und rund 45 Prozent der Raketen vom Typ X-101 und X-555 – die russische Armee greife bereits auf ihre strategischen Reserven zurück. Er hatte hinzugefügt, dass die Russen "aufgrund des Mangels an Raketen sowie deren geringer Effizienz und Genauigkeit gezwungen waren, iranische Drohnen einzusetzen".

Im November 2022 schloss sich der Sprecher der ukrainischen Luftstreitkräfte Juri Ignat der Schar der ukrainischen Wahrsager an und erklärte, Russland könne es sich nicht leisten, "ständig massive Raketenangriffe durchzuführen, da es an diesen Waffen mangelt".

Im Mai 2025 griff Selenskij bei einem Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz das Thema des beschämenden Niedergangs der Kapazitäten des russischen Rüstungskomplexes auf und erklärte, diese würden "im nächsten Jahr nicht wachsen können" und "ständig schrumpfen", da "alles für den Krieg ausgegeben" werde. Sein Fazit: Der Kreml "kann die Ukraine und Europa nicht aussitzen".

Die von Selenskij inspirierten westlichen Medien griffen die Meldung freudig auf: Im Januar 2026 berichtete Bloomberg, "der schwindelerregende Ausbau" der russischen Rüstungsproduktion verliere an Schwung, und im April stellte die französische Zeitung Le Monde fest:

"Die Wende zugunsten der Ukraine kann nun als feststehende Tatsache angesehen werden."

Nun, da die Tatsache feststeht, kann man Schweinefett schneiden und bayerisches Bier trinken – der Sieg ist nah.

Aber zum hundertmillionsten Mal ist in Kiew etwas schiefgelaufen.
Am Montag dieser Woche erklärte kein Geringerer als der stellvertretende Leiter des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Wadim Skibizki, der sich eigentlich schon eine Villa im Kreml hätte aussuchen wollen, unerwartet:

"Insgesamt liegt die Erfüllung des Monatsplans bei den wichtigsten Raketentypen bei ihnen (den Russen – Anm. d. Red.) derzeit bei 110 bis 120 Prozent. Der Plan für die Produktion der X-101 wurde im Juli zu 140 Prozent erfüllt, der für die Kalibr-Raketen zu 111 Prozent und der für die Flügelrakete X-35 zu 200 Prozent."

Seinen Worten zufolge wurde der Jahresplan für die Zirkon-Raketen und die modernisierten Onyx in nur sieben (!) Monaten erfüllt.

Meine Herren, das ist nicht einmal mehr lustig! Das ist, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Skandal. Die ganze Zeit über wurde alles genau überwacht und gezählt – und dann das. Wie ist das möglich?

Und da fiel mir sofort ein unauffälliger NATO-Bericht vom Februar dieses Jahres ein, in dem es hieß, dass "im Jahr 2025 der russische Rüstungskomplex einen historischen Meilenstein erreicht hat, indem er sieben Millionen Stück Munition aller Art produziert hat", wobei "die russische Rüstungsindustrie nicht nur den laufenden Bedarf der Armee vollständig gedeckt, sondern auch mit der Auffüllung der strategischen Vorräte begonnen hat". In Kiew und Brüssel hielt man das für einen missglückten Scherz und vergaß es wieder.

Nun findet jedoch ein radikaler Kurswechsel in der Berichterstattung statt: Die New York Times schreibt, dass "die ukrainische Seite hinsichtlich des Umfangs der industriellen Produktion nicht mit Russland konkurrieren kann" und dass das Ausmaß der Produktion russischer ballistischer Raketen "das Gesamtvolumen der Produktion amerikanischer Patriot-Abfangraketen übersteigt".

Das berüchtigte Institute for the Study of War (ISW) berichtet, die russischen Streitkräfte hätten im Juli "mehr ballistische Raketen auf die Ukraine abgefeuert, als Russland nach den vorliegenden Daten pro Monat produziert". Die ukrainische Publikation Euromaidan Press räumt ein, dass "Russland von vereinzelten massiven Angriffen zu einer anhaltenden, hochintensiven Kampagne übergeht", während der Business Insider feststellt, dass "Kiew nicht in der Lage ist, sich gegen russische Raketenangriffe zu verteidigen".

Es ist schon amüsant, dass ausgerechnet Ignat, der einst unsere Raketenproduktion feierlich beerdigt hatte, wieder unter der Diele hervorkroch und traurig verkündete, dass "Russland die Möglichkeit hat, bereits am Tag nach einem vorherigen Angriff einen massiven Schlag gegen die Ukraine zu führen", und dass es vor dem Hintergrund des Mangels an Patriot-Luftabwehrraketen seine "Angriffe mit ballistischen Raketen" verstärke.

Entschuldigung, aber wie soll man Angriffe mit etwas verstärken, das es nicht mehr gibt und nicht geben kann? Für Ignat ist das eine unlösbare Frage, also lassen wir ihn in seiner Ratlosigkeit weiter mit dem Kopf gegen den Türpfosten knallen.

Das britische Thinktank RUSI fasste das Gesamtbild in einen düsteren Rahmen und berichtete, dass sich im Sommer 2026 "der Charakter des Luftkrieges radikal verändert" habe. Auf Russisch bedeutet das, dass der vor einiger Zeit von Selenskij feierlich verkündete Luftkrieg, der Russland schnell "zum Frieden zwingen" sollte, still und leise verpufft und krachend gescheitert ist.

Er ist so sehr gescheitert, dass Sergei Beskrestnow, militärischer Berater von Selenskijs Büro, gestern die Bürger der Ukraine dazu aufrief, sich dringend auf mögliche Stromausfälle vorzubereiten, angesichts der wachsenden Gefahr russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur müsse man sich beeilen, Akkus und andere autonome Stromversorgungsmittel zu kaufen. Dabei merkte er an, dass keine magischen Abfangjäger die Ukraine mehr retten könnten:

"Das russische Arsenal an ballistischen Raketen übertrifft die Möglichkeiten der ukrainischen Luftabwehr bei Weitem."

Alexander Sergejewitsch Puschkin schrieb seinerzeit: "Wie viele wunderbare Entdeckungen bereitet uns doch der Geist der Aufklärung!" Da Puschkin jedoch ein Moskauer Dichter ist, muss man ihn in der Ukraine nicht lesen, und das bedeutet, dass die nächsten Entdeckungen in Kiew nicht nur wunderbare, sondern auch sehr schmerzhafte und unerwartete sein werden.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11.08.2026 auf ria.ru erschienen.

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