Deutschland

Spionageverdacht: Ex-Geheimdienstchef August Hanning festgenommen

Der frühere BND-Präsident August Hanning ist festgenommen worden. Gegen den 80-Jährigen und einen weiteren BND‑Mitarbeiter wird wegen "mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung" sowie "Auskundschaften von Staatsgeheimnissen" ermittelt.
Spionageverdacht: Ex-Geheimdienstchef August Hanning festgenommen© Urheberrechtlich geschützt

Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist wegen Spionageverdachts festgenommen worden. Der frühere BND-Präsident soll demnach noch Jahre nach seinem Ausscheiden von seinem ehemaligen Büroleiter mit geheimen Informationen aus der Behörde versorgt worden sein. Nun wird gegen den ehemaligen Geheimdienstchef ermittelt.

Die ARD-Tagesschau berichtet zur Festnahme:

"Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) ermittelt der Generalbundesanwalt gegen den früheren Präsidenten des BND, August Hanning, wegen mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchtem Landesverrat und geheimdienstlicher Agententätigkeit."

Zuständige Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) hätten am frühen Morgen Hanning in seinem Haus in Nordwalde bei Münster festgenommen. In Bayern verhafteten Beamte zudem einen weiteren ehemaligen hochrangigen BND-Mitarbeiter.

Manfred D. war demnach der ehemalige Büroleiter von Hanning und arbeitete bis Frühjahr 2026 im BND. 

Bei den illegal beschafften Dokumenten handelte es sich nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung um Berichte, "die für die nachrichtendienstliche Lage im Bundeskanzleramt bestimmt" waren. Hanning soll diese Papiere erworben haben, "um sie im Rahmen seiner späteren privaten Beratungstätigkeit kommerziell zu verwerten". Weitere Informationen lauten seitens der zuständigen Behörden an die Presse:

"Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass der inzwischen 80 Jahre alte Ex-BND-Chef daraus mindestens in einem Fall eine Sicherheitsanalyse für einen fremden Nachrichtendienst erstellt haben soll. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ geht es dabei aber nicht um Russland."

Demgegenüber berichtet die Welt-Redaktion nach Bekanntwerden der Festnahme, dass "es seit Jahren den Verdacht gegeben hat, dass Hanning ein Zuträger des russischen Geheimdienstes sein könnte". Dies hätte auch "auch ein ehemaliger Agent behauptet", was wiederum seitens Hanning "stets als Unfug zurückgewiesen wurde".

Laut Medienberichten wurden erste Auffälligkeiten während der Ermittlungen zum Prozess gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block festgestellt. Hanning ist dabei kein Angeklagter im laufenden Prozess vor dem Hamburger Landgericht, in dem es um die Entführung ihrer Kinder in der Silvesternacht 2023/24 aus der Obhut des Vaters in Dänemark geht. Als mutmaßlich Verantwortliche einer privaten Sicherheitsfirma sollen Hanning und ein Mitarbeiter "einen Auftrag von Christina Block zur Kindesentziehung angenommen haben", so ein Zeit-Artikel darlegend.

Schon seit Monaten hätte dabei das BKA im Auftrag des Generalbundesanwalts gegen August Hanning ermittelt. Dazu heißt es weiter im SZ-Artikel (Bezahlschranke):

"So stießen die Ermittler bei der Auswertung der Beweisstücke aus Hannings Heim auf einen elektronischen Datenträger, auf dem zahlreiche streng geheime BND-Dokumente aus der jüngeren Vergangenheit gespeichert sein sollen, die er wohl keinesfalls hätte besitzen dürfen."

Im Mai 2026 übernahm schließlich der Generalbundesanwalt in Karlsruhe den Fall und leitete ein verdecktes Verfahren gegen Hanning und seinen mutmaßlichen Gehilfen ein. Die nun erhobenen Vorwürfe, ausgehend von den ermittelten Beweisen, gehen dabei laut Pressemitteilung des zuständigen Generalbundesstaatsanwalts bis in das Jahr 2010 zurück:

"Vermutlich im Frühjahr 2010 vereinbarten die Beschuldigten miteinander, dass Manfred D. dem Beschuldigten Hanning gegen Entgelt fortlaufend wertvolle Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes besorgen sollte. Die Informationen sollte der Beschuldigte Hanning im Rahmen seiner zwischenzeitlich aufgenommenen privaten Beratertätigkeit gewinnbringend verwerten können."

Hanning war in den Jahren zwischen 1998 und 2005 Leiter des BND. Die beiden Beschuldigten werden laut Pressemitteilung "heute und morgen dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt". Dieser wird ihnen die Haftbefehle verkünden und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden.

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