Im Jahresvergleich zum September 2025 haben sich in Deutschland Waren und Dienstleistungen durchschnittlich um 3,3 Prozent verteuert. So lautet die Aussage des Bundesamtes für Statistik, das somit seine frühere Prognose hierzu bestätigt. Amtsvorsitzende Ruth Brand spricht zudem von einem "Jahreshöchststand" – und bestätigt Energieträger als die Güterkategorie, die, wie wohl den meisten ohnehin klar ist, in Deutschlands Fall als Ausreißer den Durchschnitt für alle Waren und Dienstleistungen hochzieht. Medien zitieren sie mit der folgenden Aussage:
"Verantwortlich für den Anstieg der Inflationsrate war erneut die Entwicklung der Energiepreise.
Besonders zeigte sich die Teuerung bei Mineralölprodukten an den Tankstellen und beim Heizöl."
In der Tat: Benzin und Dieselöl hat sich zum September 2026 im Jahresvergleich um gut 37,1 Prozent verteuert, während leichtes Heizöl mit rund 75 Prozent nahezu doppelt so teuer geworden ist. Auch Brennholz, Holzpellets und andere feste Brennstoffe (mit einem Plus von 15,6 Prozent) wurden gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich teurer.
Diese Tendenz betrifft interessanterweise (jedenfalls noch) nicht alle Treib- und Brennstoffe und auch nicht den Strom als deren Verarbeitungsprodukt – diese haben sich demgegenüber sogar geringfügig verbilligt: So etwa Strom (mit -5,5 Prozent), Erdgas ohne die dazugehörigen Betriebskosten (mit -2,8 Prozent) und Fernwärme (mit immerhin noch -1,0 Prozent).
Treibstoffpreise als ein maßgeblicher Faktor für Transport- und Stromkosten wirken sich darüber hinaus auch stets auf die Preise für nahezu alle anderen Waren und Dienstleistungen aus – dies jedoch unterschiedlich schnell: Während die Beförderungskosten bereits um 5 Prozent gestiegen sind, haben sich auch bestimmte Lebensmittel schon im Herbst deutlich verteuert: Frischgemüse, das erntebedingt knapp ist, um rund 12 Prozent und Eier, deren Transport und Lagerung aufwendig sind, um rund 15 Prozent. Andere Lebensmittel, etwa Tier- und Pflanzenfette oder Frischobst, waren davon ausgenommen. Bei Industrie- und Konsumgütern wird dagegen eine Verzögerung der durch solche Kostensteigerungen bedingten Preisanstiege um etwa drei bis sechs Monate als normal betrachtet. Hier spielt unter anderem das Bestehen von Langzeitaufträgen eine Rolle, die es abzuarbeiten gilt; zudem versuchen Hersteller und Vertriebsunternehmen aus Überlegungen etwa des Konkurrenzkampfes am Absatzmarkt gezielt, diese Preissteigerungen nicht sofort, sondern über einen gewissen Zeitraum verteilt an die Kunden weiterzugeben. In diesem Zeitraum fangen sie diese Mehrkosten über ihre eigene Gewinnmarge ab.
Die seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran zu beobachtenden starken Treibstoffpreisanstiege seien nach wie vor auf die Blockade der Straße von Hormus zurückzuführen, erklärt sinngemäß etwa Silke Tober, Inflationsexpertin am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.
Direkte Importe rohen Erdöls oder auch etwa Dieselöls aus Russland, die jetzt Abhilfe schaffen könnten, bleiben für die Bundesregierung aber nach wie vor tabu. Das vermelden deutsche Medien.
Abhilfe erhoffe man sich stattdessen vom Tankrabatt, der vom 1. Oktober bis zum Jahresende 2026 auf Kosten entsprechender Steuern eine Entlastung von etwa 17 Cent je Liter bewerkstelligen soll. Dauerhaft helfen dürfte dies jedoch nicht – Ökonomen erwarten, dass die Europäische Zentralbank noch im laufenden Jahr die Leitzinsen ein drittes Mal anheben wird, weil auch andere bedeutende Volkswirtschaften der EU wie etwa Frankreich eine ähnlich hohe Inflationsrate aufweisen.
Mehr zum Thema – Euro unter Druck: Französische Anleihen belasten den gesamten Euroraum